Kinderlieder im Wandel der Zeit
Neulich saß ich mit dem Nachwuchs in infantiler Eintracht auf dem Straßenteppich und spielte gerade mit den Matchboxautos eine Massenkarambolage nach als ich hinter mir eine melodische Stimme erklingen hörte.
Was dort an meine Ohren drang und bis in die 80er noch als Kinderlied in jedem Regal zu finden war, überraschte mich doch sehr.
Als Kind oft gehört wurde mir erst jetzt der tiefere Sinn diese Liedes klar, und den kann ich bei aller Liebe zur Tradition deutschen Liedgutes nicht in Einklag mit meiner Erziehung bringen.
Es geht um das Lied: 10 kleine Negerlein.
Inständig hoffend, dass mein Nachwuchs die Zeilen noch nicht richtig wahrgenommen hatte, schaltete ich als erste invasive Maßnahme auf ACDC.
Nachdem der Nachwuchs dann, begleitet von wieder etwas sanfterer Spieluhrmusik, im Bett verschwunden war ging’s an den Laptop und dank google gab’s dann auch den vollen Text zum genannten Volkslied.
Alle Hoffnung, dass es eine nette Erklärung zu diesem Text gab, schwand allerdings beim Lesen der Zeilen.
Das Lied entstammt aus den USA aus dem Jahr 1868, und hieß: „ten little indians“
Die kamen allerdings auch nicht besonders gut dabei weg.
Damit war bei uns natürlich wenig Begeisterung zu wecken und so wurde das Lied an Preußische Verhältnisse angepasst.
Was würde man heute wohl draus machen, 10 kleine Österreicher oder doch lieber Holländer.
Während mir so die diversen Möglichkeiten durch den Kopf gingen ,die auch alle nicht unbedingt politisch korrekt aber durchaus lustig wären, entschied ich mich für den Versuch das Lied in einen modernen politischen Kontext zu bringen.
Was dabei rauskam werde ich euch im Anschluss präsentieren, ich musste mich schließlich auch Strophe für Strophe durch das Lied kämpfen und das will ich euch nicht ersparen:
Zehn kleine Negerlein schlachteten ein Schwein, einer stach sich selber tot, da blieben nur noch neun.
Wenn ich heutzutage schon Vorurteile gegenüber Schwarzen habe, dann dass diese als Rapper in Amerikanischen Ghettos Leben und wie 50 Cent auf den Durchbruch hoffen.
Neun kleine Negerlein, die gingen auf die Jagd einer schoss den andern tot, da waren’s nur noch acht.
Ausgehend von gerade genannten Vorurteilen gehört der Umgang mit Schusswaffen ja dann ebenfalls zum Gangsterimage.
Acht kleine Negerlein, die gingen und stahlen Rüben, den einen schlug der Bauer tot, da blieben nur noch sieben.
Super, hungrige Kinder begehen Mundraub und der Bauer hat nichts Besseres zu tun als innen eins über die Rübe zu ziehen.
Sieben kleine Negerlein begegnen einer Hex’, einen zaubert sie gleich weg, da blieben nur noch sechs.
Das ist irgendwie die einzige Strophe die ich in Zeiten von Frodo, Gandalf und Harry Potter noch als aktuelle bezeichnen könnte.
Sechs kleine Negerlein gehn ohne Schuh und Strümpf, einer erkältet sich zu Tod, da blieben nur noch fünf.
Pädagogisch sinnvoll um Kindern zu vermitteln sich warm anzuziehen mag dieser Satz ja sein, aber wenn man schon Angst machen will dann bitte mit Schweinegrippe
Fünf kleine Negerlein, die tranken bayrisch’ Bier, der eine trank, bis dass er barst, da waren’s nur noch vier.
Da frage ich mich doch eins, wer kein Geld für Rüben oder Schuhe hat geht Saufen??
Vier kleine Negerlein, die kochten einen Brei, der eine fiel zum Kessel rein, da blieben nur noch drei.
Die deutschen lassen es sich zu Rüben und Bier gut gehen und in Afrika gibt’s sowieso nur Brei und dann gleich in mannhohen Kesseln, schon klar.
Drei kleine Negerlein spazierten am Bau vorbei, ein Stein fiel einem auf den Kopf – da blieben nur noch zwei.
Immerhin muss man dieser Strophe zugutehalten, dass es nicht hieß: „Ein Stein warf man ihm auf den Kopf“
Zwei kleine Negerlein, die wuschen am Nil sich reine, den einen fraß ein Krokodil – da blieb nur noch der eine.
Fällt eindeutig in die Kategorie „Tragischer Unfall“, aber so eine Scheisse passiert doch in Wirklichkeit nur Europäischen Touristen die zu blöd sind die Warnschilder zu lesen. Kein Eingeborener geht mit Krokodilen baden, egal ob er lesen kann oder nicht.
Und aber nun zur letzten finalen Strophe, ist mein persönlicher Favorit
Ein kleines Negerlein nahm sich ‘ne Mama;
Zehn kleine Negerlein sind bald wieder da.
Wäre die Strophe nicht aus dem Jahr 1886 würde ich die Rechte ja beim Pabst oder Frau von Thurn und Taxis suchen.
Nun folgt die politisch korrekte aktuelle Variante von Kai Nesau,
ich wollte sie eigentlich „die Negerlein reloaded“ nennen, aber da das Wort politisch inkorrekt ist heißt es jetzt:
Zehn kleine „ich-weiß-das,-dass-folgende-Wort-politisch-unkorrekt-ist“ Negerlein reloaded
Zehn kleine Farbige schlachteten ein Schwein,
der eine wollt als Moslems nichts da waren´s nur noch neun
Neun kleine Farbige, die gingen auf die Jagd,
einer findet Tierschutz gut da waren´s nur noch acht.
Acht kleine Farbige die gingen und stahlen Rüben,
der eine brachte sie zurück da waren´s nur noch sieben.
Sieben kleine Farbige die trafen eine Hex´,
der eine fuhr nach Hoghwarts mit, da waren´s nur noch sechs.
Sechs kleine Farbige gingen ohne Schuh und Strümpf,
beim Basketball da geht das nicht, da waren´s nur noch fünf.
Fünf kleine Farbige die tranken Bayrisch Bier,
einer ist jetzt Schlagersänger, da waren´s nur noch vier.
Vier kleine Farbige die kochten einen Brei,
das Kochrezept verkauft sich gut, da waren´s nur noch drei.
Drei kleine Farbige spazierten am Bau vorbei,
einer wurde angeheuert da waren´s nur noch zwei.
Zwei kleine Farbige wuschen am Nil sich rein,
der eine Jagd jetzt Krokodile, der andere blieb allein.
Ein kleiner Farbiger sucht sich eine Mama,
aus alter Ehe gibt´s schon Kids, und zehn sind wieder da.