Nächstenliebe
Tagesablauf des 9 Jährigen Joseph R. aus Magdl in Oberbayern.
Es ist der 16. April, 5 Uhr in unserem katholischen Jungeninternat, heute ist ein besonderer Tag, denn ich habe Geburtstag. Die 5 Jungen in meinem Zimmer schlafen noch, doch ich bin bereits wach.
Heute ist Hygienestunde mit unserem Biologielehrer Bruder Franz, jeder von uns hat an einem Tag in der Woche Hygienestunde, dann müssen wir immer etwas eher aufstehen.
Langsam öffnet sich die Zimmertür und Bruder Franz kommt zu mir, er setzt sich an mein Bett und streichelt mir über den Kopf beugt sich über mich und während er mir langsam die Bettdecke wegzieht flüstert er mir ganz sanft ins Ohr „Joseph, kleiner Joseph, es ist Zeit zum Aufstehen“
Mir ist kalt, aber Bruder Franz kümmert sich gut um mich, er nimmt mich fest in den Arm und drückt mich an sich. Dann nimmt er meine Hand und wir gehen in die Duschräume. Noch ist Ruhe im Internat, viele schlafen noch. Nur in den andern Duschräumen brennt Licht, auch dort haben einige bereits Hygienestunde.
Bruder Franz hilft mir beim Ausziehen, ich bin sowieso noch sehr müde.
Während mir langsam das warme Wasser über meinen Körper läuft entkleidet sich Bruder Franz ebenfalls. Er hilft mir beim Waschen, und seift mich von oben bis unten ein, an manchen Stellen ist er besonders gründlich
Zwischendurch nimmt er mich immer wieder in dem Arm und drückt mich ganz fest an sich, er mag mich wirklich gern.
Dann darf ich ihn waschen, genauso wie er es mir gezeigt hat.
Anschließend trocknet er mich noch ab und cremt mich ein, man kümmert sich wirklich gut um uns.
Ich gehe frisch gewaschen in mein Zimmer, wecke die Anderen und kleide mich an.
Heute ist mein Geburtstag, ein besonders Tag, vor dem Mittagsessen darf ich zum Direktor.
Bruder Johan ist schon lange Direktor bei uns. Er sitzt in seinem Büro entspannt in einem großen Ohrensessel und raucht Pfeife, auf dem Tisch steht eine Geburtstagtorte mit 9 Kerzen, nur für mich.
Er lächelt mich an und sagt: „ Hallo Joseph alles Gute zu deinem Geburtstag, drei Jahre bist du jetzt schon bei uns, und immer hübscher geworden. Setzt dich doch zu mir.“
Ich setzte mich zum ihm und beginne das Tortenspiel. Ich darf die Torte mitnehmen, aber ich muss vorher 10 Kerzen ausgeblasen habe. Ich atme tief ein und blase heftig in Richtung Torte, alle 9 Kerzen erlöschen.
Anschließend rutsche ich vom Schoss des Direktors, er streichelt mir über den Kopf, zieht an seiner Pfeife, und lehnt sich zurück. Ich greife ihm langsam unter die Kutte und beginne die letzte Kerze auszublasen. Nach 10 Minuten ist der Direktor sehr entspannt und reicht mir eine Flasche Orangensaft
„Den gibt’s nur wenn man dem Direktor beim Entspannen hilft“.
Jetzt darf ich meine Torte mitnehmen, man kümmert sich wirklich gut um uns.
Voller Glück gehe ich in den Speisesaal. An meinem Tisch sitzen 10 Jungen, Hans und Georg haben auch eine Flasche Orangensaft vor sich stehen. „ Ach, deswegen hat der Direktor heute solange gebraucht um sich zu entspannen“ Wir stoßen auf meinen Geburtstag an und genießen alle unsere Torte.
Nachmittags haben wir Schwimmen. Jeder Schüler hat seinen eigenen Novizen als Betreuer, wir werden abgeholt, ziehen uns zusammen um gehen Schwimmen, Duschen und das alles in Einzelbetreuung, und wenn man den Novizen anschließend im Ruheraum noch ein wenig zur Hand geht, bekommt man Sammelbilder von berühmten Heilligen oder Glasmurmeln zum Tauschen. Man kümmert sich wirklich gut um uns.
Abends bin ich meist müde. Heute Abend besonders, es war ein schöner Tag.
Es ist halb elf und ich liege nach dem Abendgebet noch eine Weile wach im Bett.
Am anderen Ende des Zimmer höre ich eine Bettdecke rascheln und dann ein leichtes Wimmern.
Es ist Thomas der Neue. Er hat heute Abend die erste Kuschelstunde mit Bruder Bernhard unserem Koch.
Wenn wir nach der Abendmesse in unser Zimmer kommen liegt immer nur auf einem Bett ein Schokoriegel und eine Dose Vaseline, heute lagen sie bei Thomas.
Kurz nachdem um 10 Uhr das Licht erlischt kommt Bruder Bernhard dann noch einmal zur Kuschelstunde in unser Zimmer. Thomas freut sich bestimmt schon darauf morgen seinen Schokoriegel zu essen. Man kümmert sich wirklich gut um uns.
Ich hab Vertrauen in unsere Lehrer, unser Hirte achtet schließlich auf seine Schafe und das uns kein Unrecht wiederfährt. Die Kirche gibt mir so viel Nähe und Geborgenheit ohne etwas zu verlangen, wenn ich groß bin will ich ihr weiterhin dienen.
Dank ihr habe ich gelernt wie man echte Nächstenliebe praktiziert, denn man kümmert sich wirklich gut um uns