Weiteres Traditionsunternehmen steht kurz vor Insolvenz
Bochum 1 Juni 2009 Monika Schmalottke kämpft mit den Tränen, die Besitzerin von Moni´s Haarstudio steht in ihrem Frisiersalon und schaut auf leere Stühle. „Kein Kunde weit und breit“ Moni ( wie wir sie nennen sollen) ist den Tränen nahe, auch meine Bemerkung, dass dieses Kundenaufkommen für einen Pfingstmontag durchaus üblich sei reißt sich nicht aus ihrer Lethargie.
„Letztes Jahr hatten wir 30 jähriges Jubiläum, aber seit der Wirtschaftskrise kommen die Kunden viel weniger zum Haare schneiden“ beklagt sich Frau Schmalottke.
Statt 1-2 Zentimeter zu schneiden werden die (Ein)Schnitte deutlich größer, die Menschen lassen sich Zeit und wollen fürs gleiche Geld plötzlich 3 Zentimeter Haar lassen.
„Beim Friseur wird zuerst gespart“ wettert die Friseurmeistern „Udo´s Kiosk macht aber immer mehr Umsatz“.
Ein Blick auf die andere Straßenseite zu „Udo´s“ zeigt mir die schrecklichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise „ Happy Hour von 6-10: 2 Export 2 Euro“ Für Kurzarbeiter gibst das 24h Dauerspezial „ 2 Kurze 1 Euro“
Während Moni Schmallottke die Scheren stumpf werden, zeigt sich nur wenige Meter entfernt, dass die Menschen in Bochum nur noch Geld für existenzielle Waren und Güter ausgeben können und wollen.
Bereits Anfang letzten Jahres stand Moni´s Haarstudio das Wasser bis zum Hals.
Ihre Mitarbeiterinnen streikten, unterstützt von Verdi, für höheren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen, unter dem Motto: >>Wir werden beschnitten<< wurde 2 Tage lang gestreikt und die Arbeit niedergelegt.
Aufgrund eines Planungsfehlers begann die Arbeitsniederlegung bereits an einem Sonntag, so dass die Verhandlungen am Montagabend mit nur einem Tag Umsatzeinbußen beendet werden konnten.
Die Gehaltsforderungen von 30% mehr Bruttolohn konnte beschlossen werden, so dass sich hieraus für die Mitarbeiter der Lohn um monatlich 200 Euro erhöhte.
Verdi Chef Bsirske lehnte ein Interview hierzu ab gab sich aber soldidarisch „Auch ich lasse mir die Haare schneiden.“ gab er über sein Büro bekannt.
Bereits zu Beginn der Krise versuchte die geschäftstüchtige Haarstylistin sich dem Problem zu stellen. Nach Besuch des Volkshochschulkurses „Wirtschaft im Umbruch“ überzeugte sie den Besitzer des benachbarten Frittierrestaurants zu einer Kooperation.
Unter dem Motto „ Currywurst und Dauerwelle“ wurden die ersten gemeinsamen Kunden betreut, doch selbst die Erweiterung des Programms „ Fritten, Schneiden, Legen“ konnte die Wirtschaftskrise nicht lange fern halten.
„Wir stehen inzwischen vor dem Bankrott […] selbst die monatlichen Lohnkosten von insgesamt 500 Euro für die 3 Auszubildenden konnten für den Juni nicht gezahlt werden.“
Frau Schmalottke ruft nun öffentlich nach staatlicher Unterstützung, durch unbürokratische Soforthilfen des Bundes von 1000 Euro, könnten zumindest die Außenstände bis Ende des Monats überbrückt werden.
Die Belegschaft arbeitet bereits intensiv ein einem tragfähigen Konzept, um mit Hilfe von staatlichen Bürgschaften eine Umstrukturierung des Unternehmens vorzunehmen. „ Ich wollte die Waschbecken schon immer an die Fensterscheiben stellen“ erklärt Moni mir „ Dort ist es heller und wir sparen Beleuchtungskosten“.
Des Weiteren argumentiert die Unternehmerin, dass ausreichend öffentliches Interesse bestehe.
Der 87 Jährige Vorsitzende des Kaninchenzüchtervereins komme bereits seit über 30 Jahren zu ihr, und auch der Tanzführer des örtlichen Spiel- und Tanzkreises lasse sich vor jedem öffentlichen Auftritt die berühmte „Moni Optik“ verpassen.
Neben einem Brief an das Wirtschaftsministerium ruft der Friseursalon zur gemeinsamen Demo auf.
„Haare bekennen“ heißt das Motto zu dem am nächsten Montag mobil gemacht wird.
Mit den Worten: „ Theo wir brauchen Dich hier und nicht in Lotz“ endet unser Gespräch mit einem Ruf nach Hilfe aus Berlin.