Als ich letzte Woche eine spontane Einladung der NPD erhielt, war ich anfangs etwas unschlüssig ob es nicht gesünder wäre der Versuchung nicht nachzugeben und sie auszuschlagen.
Ich wollte mir die Chance allerdings nicht entgehen lassen beim Treffen der deutschen Jugend Mecklenburg vorzusprechen und nahm die Einladung dankend an.
Gestern nachmittag war es dann so soweit. Das Spektakel begann bereits um 13 Uhr und mein Auftritt sollte nach dem Mittagsessen erfolgen.
Meine Frage für die eher ungewöhnliche Uhrzeit konnte ich mir sparen, da ich in den ersten Gesprächen beim Mittagessen schnell bemerkte, dass der überwiegende Teil der Anwesenden weder einen Schulabschluss noch eine geregelte haupt- oder nebenberufliche Tätigkeit nachweisen konnte.
Das Mittagessen war durchaus köstlich, bei Pilsener Urquell ließ ich mir die Hammelkeule zu Zaziki und Reis schmecken und lauschte den Gesprächen der Anwesenden, die sich einig darin waren, dass man alle ausländischen Einflüsse in Deutschland boykotieren müsse.
Vorrausschauend was folgen sollte hatte ich mir meine Fahrtkosten im Vorfeld auszahlen lassen und mein Auto in der Nähe des Eingangs geparkt.
Nach einer kurzen Begrüßungsrede des Vorsitzenden des Ortvereins wurde ich auf die Bühne gerufen.
Ich begann meinen Vortrag mit einem lauten “Mehrhaba”, als eine Reaktion auf die Provokation ausblieb erinnerte ich mich an den Bildungsgrad meiner Zuhörer und begrüßte die geistige Elite Mecklenburg Vorpommerns mit gestreckter Faust und einem lauten “Rotfront”, von diesem Moment an begannen sich die Fronten langsam zu klären.
Die Einleitung meines Poetry Slam Textes begann ich etwa so: Ich komme aus der schönen deutschen Stadt Hannover und möchte euch etwas über Rassen und Biologie erzählen *Beifall*. Schon lang ist uns klar, das unsere Gesellschaft im Wandel ist und sich Menschen ausbreiten die ihren Vorfahren im Tierreich immer noch sehr ähnlich sind *tosender Beifall* Diesen Menschen widme ich den folgenden Beitrag , damit sie aufwachen und hören was ich denke, * Beifall und Trampeln im ganzen Saal*. Ich widme diesen Text: Euch allen. * Vereinzelt hören die Zuschauer auf mit dem Klatschen und schauen mich konsterniert an, die große Masse aber bemerkt nichts.
Ich beginne mit meinem Text “soziale Evolution”
Die Stimmung im Saal verändert sich innerhalb der folgenden 5 Minuten drastisch. Begeisterung weicht Verwunderung, Verwunderung verwandelt sich in Fassungslosigkeit, Fassungslosigkeit wird zu Empörung, Empörung schlägt plötzlich um in Wut, Wut wird zu Agressivität und diese ist kurz vor der physischen Entladung als ich meinen Text beende und einen Sprint aus dem Saal beginne. Ich springe in mein Auto, fahre beim Rückwärtsstart noch drei schwarz weiß rot lackierte Schwalben um und veschwinde Richtung Hannover, dass ich nach dem Mittag nicht Wasser sondern die Luft aus den Autoreifen gelassen habe dürfte in den nächsten Minuten bemerkt werden.