Drüben auf Rügen, oder ich HASSE Schnee
Es sollte ein entspannter Rügen Trip werden.
4 Tage frische Luft, Sauna und White Russian.
Jetzt sitze ich hier in Rügen am Küchentisch und kann bemerken, dass sowohl frische Luft, Sauna und White Russian in reichlichem Umfang vorhanden waren, das Ganze wurde aber schwer erkämpft.
Beginnen wir doch aber chronologisch am Anfang der Odyssee.
Mittwoch 14 Uhr Start in Hannover.
Nach 10km auf der Autobahn war klar, die Heizung ist eingefroren. Bei bis zu -10 Grad keine Chance auf Hilfe durch Umgebungswärme, also tapfer nach Magdeburg in der vagen Hoffnung den Gott des Frostes gnädig stimmen zu können. Nix da, nach 150km bei -3 Grad im Auto wurde mir klar, dass die Entscheidung eine lange Unterhose zu kaufen zwar meine Attraktivität beim anderen Geschlecht herunter setzen würde, aber immerhin verhinderte sie ungewollte Eiszapfenbildung.
17:00 Ankunft Magdeburg:
Ab in den nächsten Baumarkt, Katalytofen in den Bulli gestellt, Yeah es ist warm. Truppe eingeladen weiter geht die Reise. Was man bei weiterem Lesen des Berichtes immer im Hinterkopf halten muss, ist dass die „Truppe“ neben zwei Kerlen und zwei Frauen auch noch aus einem 6 Monate alten Baby bestand.
20:30 Zwischenstopp in Berlin,
Info aus Rügen: “Es schneit, ich glaube nicht, dass ihr da durchkommt. ” Wäre ja noch schöner, wenn ich mir als Kind des niedersächsischen Flachlandgebirges Tipps von einem Rügener geben lassen, der hat doch keine Ahnung. Hannover Power unterm Arsch ( VW Bulli Bj 83) und am Steuer ( K.N. Dulli Bj 82).
0:00 20km vor Stralsund:
Zweispurige Autobahn ist nur noch einspurig befahrbar. Alles voller Schneewehen, und die Freunde in blauweiß ließen uns passieren um dann hinterher zu fahren, FEIGLINGE. Augen auf, Adrenalin hoch und dann weiter Richtung Insel.
0:30 Stralsund- Rügenbrücke:
Fahrzeug 2,70m hoch, Brücke weiß, Wind stark, keine Sau weit und breit zu sehen. Umkehren?? Kai Nesau gibt Gas, Brücke ist ja noch frei gegeben, also vertrau ich mal unserem System. Außerdem geht die Heizung wieder!!! Kurze Zeit später stehen wir vor einer rotweißen Barke, die uns vermittelt:
Diese Straße ist gesperrt,
die Durchfahrt wird euch heut verwehrt.
Okay, Tom sagt, Umgehung des Problem: bitte links lang.
1:00 25km bis zum Ziel
Wir haben die Sperrung umfahren. Mit Heckantrieb eine Allee zu passieren, auf der das Kopfsteinpflaster immer wieder von halben Meter hohen Schneewehen unterbrochen wird, ist jetzt weniger lustig.
1:30 Ankunft in Bergen, noch 18 km bis zum Ziel, die Straße war weitesgehend frei, einzelne Verwehungen, die man aber noch gut umfahren konnte. Jetzt geht’s in die Pampa
1:50 Nach 5km absoluter Hölle wird erwogen, die Anfahrt abzubrechen. Straße ist mit bis zu 1m hohen Schneewehen verziert, durch den Sturm der um uns tobt, ist der pulverige Schnee ständige aufgewühlt und man sieht zeitweise nur noch 1-2 m weit.
2:15 13 km vorm Ziel
Nur die Harten kommen in Garten:-) Schneeketten drauf und weiter geht es, bin ja nicht aus Zucker.
3:00 3km vorm Ziel
Scheiss Idee, die nächsten 10km ist der Bulli durch die Schneewehen, wie ein deutscher Panzer durch die französische Abwehr gerollt. Bis 1m Höhe ist noch lustig, danach nur mit viel Schwung, was bei eingeschränkter Sicht ein gewisses Risiko mit sich bringt. Also vorsichtig fahren, und das führte dann mit lautem “Rumms” dazu, dass ich voll in einer Schneewehe hing. Die diversen Rettungsversuche haben meiner Kupplung locker mal 10 000 km mehr verpasst, Schneekette ist gerissen, keine Chance. Also warten auf Rettung.
3:20 Immer noch 3km bis zum Ziel
LKW taucht hinter uns auf, kommt nicht nah genug ran um uns rauszuziehen, und entscheidet sich rückwärts zurück zu fahren, und will sich um Hilfe kümmern.
3:45 Na?? Wer will raten?? à 3km vorm Ziel
LKW ist wieder da, kommt nicht mehr durch, Straße auch nach hinten zu. Dann halt Warten.
4:30 Position unverändert
Ich sehe Lichter
Radlader mit Schneepflug schiebt sich zu uns durch, erst LKW geborgen, dann den Bulli aus dem Schnee gezogen, JUHU wir sind gerettet. Der Radlader muss in die gleiche Richtung und will vorfahren und den Weg frei schieben.
5:00 2,5 km bis zum Ziel, ich will mich betrinken.
Der Radlader gibt auf, bis zu 2m hohe Schneeverwehungen machen ein Durchkommen unmöglich.
Wir stellen uns neben eine alte Halle in den Windschatten, und warten auf den Radlader, der will mit Baggerschaufel wieder kommen. Um uns tobt ein richtiger Sturm, man sieht fast nichts.
6:00 2,5 km bis zum Ziel, ich will mich unbedingt betrinken!
Ich bin ja wirklich froh, dass ich den Katalytofen gekauft habe, so frieren wir wenigstens nicht, und da der Windschatten uns nur vor Schnee, aber nicht vor Wind schützt, ist bei leicht geöffnetem Fenster für reichlich Luftaustausch gesorgt. Nur beim Pinkeln, hat man echt Angst, dass einem gewissen Körperteile abfrieren, aber ich bin froh keine Frau zu sein, die haben es da ja noch schwerer
9:00 Position unverändert, Pegel unverändert, ich WILL JETZT ALKOHOL!!
Keine Rettung in Sicht.
Straße links runter: SCHNEEWEHEN.
Straße recht runter: SCHNEEWEHEN.
Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber wir sind am Arsch. Ich gebe auf, Vatter Frost du hast gewonnen!!
Schweren Herzens wird also 112 angerufen und freundlichst um Rettung gebeten.
10:00 Position unverändert, Ich glaube ich bin Alkoholiker
Die Halluzinationen, ausgelöst durch den unerfüllten Wunsch dieser Scheisse durch ein gepflegtes Dlilirium zeitweise zu entfliehen, entpuppen sich als echte Menschen.
Ich hab mich noch nie so gefreut einen Feuerwehrmann zu sehen!! Die freiwillige Feuerwehr Neuenkirchen ist zur Rettung ausgerückt. Ein Bauer hat mit Trecker und Schneepflug eine Schneise über Straßen und Felder geschoben, und die Feuerwehr ist im Magirus Deutz hinterher. Bulli musste stehen bleiben, wir durften das nötigste an Klamotten und Nahrungsmitteln einpacken. Kalua und Wodka wurden zum Glück stillschweigend geduldet
DANKE
11:00 0 KM bis zum Ziel
Nach holperiger Fahrt über die Äcker Rügens sind wir endlich da. Ab in die Hütte und als erste Maßnahme einen Russen gezaubert. Juhu wir leben noch. Ich fühle mich gut!
Im weiteren Verlauf konnten wir am Abend das Auto bergen, und einkaufen fahren. Der FFW wurde zur gestrigen Weihnachtsfeier eine Kiste Bier und Pulle Korn überreicht, die Jungs muss man sich ja warm halten.
Da der Wetterbericht wieder von Schneewehen, Glatteis und Sturm spricht haben wir unsere Abreise auf Morgen verschoben, man muss sein Glück ja nicht überstrapazieren!



Dezember 5th, 2010 at 13:07
Sehr geile Story, Herr Nesau!
Vor allem an dieser Stelle,
“Hannover Power unterm Arsch ( VW Bulli Bj 83) und am Steuer ( K.N. Dulli Bj 82)”, musste ich doch herzlich lachen
Grüße vom Club Joker Kollegen
Dezember 5th, 2010 at 14:02
Kai Du bist der Kracher schlechthin!!! Ich hoffe das Baby hat den Ausflug bis jetzt gut überstanden. Ich wünsche Euch eine sehr viel bessere Heimreise.
Anke
Dezember 5th, 2010 at 15:23
Alter geile Tour. Sowas geht auch nur mit einem robusten Auto und ordentlich Abenteuerlust im Blut. Weiter so.
Dezember 5th, 2010 at 17:07
Kind, ich habs ja gleich gesagt, hättste auf Deine Mutter gehört und wärst zuhause geblieben…;)
Gute Rückfahrt!!!!
Dezember 8th, 2010 at 21:35
stralsund ohne h!!!!!!!!!!!!!
Dezember 9th, 2010 at 10:03
Lag wohl an der Tatsache, dass mir das Straheln zu diesem Zeitpunkt noch nicht vergangen war.
Dezember 11th, 2010 at 18:50
mit dem hanomag wär´das nicht passiert….;)
November 15th, 2011 at 11:07
Hallo,
Super Story, echt klasse geschrieben!!
Jaja der Winter hatte es in sich, 4h für 24km, trotz Allr(o)ad, und das Tagsüber…
Grüße von der Insel!!
P.S. weitere Bilder vorhanden ..?